Aus der Geschichte

Der frühere Stadtdechant, Reinhard Busbach, schreibt hierzu in seinem Beitrag in „Kirche in Bottrop“, herausgegeben von der Historischen Gesellschaft Bottrop e. V., Oktober 2009:

 

1. Bistumszugehörigkeit 

Örtliche Kirchengemeinden sind Teil eines Bistums, der Kirchengemeinschaft auf regionaler Ebene. Bottrop war im Laufe der Zeit verschiedenen Bistümern zugeordnet. Von Anfang an hat es zunächst Jahrhunderte hindurch zum Erzbistum Köln gehört, dessen Ursprung in der römischen Zeit liegt und das in unserem Gebiet nördlich bis an die Lippe reichte. Das Gebiet jenseits der Lippe zählte zum Bistum Münster, das mit dem hl. Liudger als erstem Bischof um 805 gegründet wurde. 

In den Umwälzungen zur Zeit Napoleons endete das mittelalterliche "Heilige Römische Reich deutscher Nation". Damit waren auch die alten reichskirchlichen Bistumsstrukturen am Ende. Durch die päpstliche Bulle "Oe salute animarum" von 1821 wurde eine Neuordnung der Bistümer vorgenommen. Dementsprechend kam 1823 das Vest Recklinghausen mit 21 Pfarreien (u.a. Dorsten, Osterfeld, Bottrop und Kirchhellen) zum Bistum Münster. In unserem Bereich lag nun die neue Bistumsgrenze Münster / Köln an der Emscher. 

Die industrielle Entwicklung des Ruhrgebiets und die Entstehung einer Vielzahl neuer Kirchengemeinden führte dazu, für diesen Ballungsraum ein neues Bistum zu planen. Schließlich wurde am 1.1.1958 das Bistum Essen gegründet, dem auch das Gebiet der damaligen Stadt Bottrop Getzt Alt-Bottrop) zugeordnet wurde. Die Bistumsgrenze ging jetzt entlang der Grenze zwischen dem damaligen Bottrop und Kirchhellen und sie gilt bis heute, auch nachdem 1975 mit dem Zusammenschluss der beiden Orte das Stadtgebiet weit nach Norden ausgedehnt wurde. So läuft die Bistumsgrenze Essen / Münster mitten durch das Stadtgebiet. 

 

2. Dekanatszugehörigkeit 

Zur besseren Übersicht und leichteren Kommunikation sind die Bistümer in Dekanate unterteilt. Im Mittelalter gab es ein ausgedehntes Dekanat Dortmund, zu dem auch die Kirchen des Vestes Recklinghausen zwischen Emscher und Lippe gehörten und das weit über Dortmund hinaus bis vor Hamm reichte. Diesem Dekanat waren also auch Osterfeld, Bottrop und Kirchhellen zugeordnet. Als in der Reformationszeit die Gemeinden im Dortmunder Umfeld meist evangelisch wurden, fasste der Kölner Erzbischof die katholisch gebliebenen Kirchen im Vest zum kirchlichen "Kommissariat des Vestes Recklinghausen" zusammen; es bestand bis 1823. Für diesen gleichen Bereich (der damalige Kreis Recklinghausen südlich der Lippe) wurde vom Bischof in Münster 1825 das Dekanat Recklinghausen mit 21 Pfarreien eingerichtet. Es reichte von Osterfeld im Westen bis Waltrop im Osten.

Ein neues Dekanat Dorsten entstand 1864 aus den sieben westlichen Pfarreien (darunter Osterfeld, Bottrop und Kirchhellen) des Dekanates Recklinghausen und sieben Pfarreien im Gebiet um Lembeck (bisher im Dekanat Borken, aber zum Kreis Recklinghausen gehörig). Das Amt des Dechanten in diesem Dekanat hatte 1880-1887 der Bottroper Pfarrer Karl Englert inne, der 1885 Ehrendomherr wurde. 

Eine Neuaufteilung der Dekanate Dorsten und Recklinghausen wurde notwendig, "weil ihre Bevölkerung bereits um das Sechsfache die frühere übersteigt". So wurden 1916 zusätzlich die Dekanate Bottrop, Gladbeck und Buer gebildet. Das Dekanat Bottrop umfasste die in Alt-Bottrop und Osterfeld damals bestehenden sechs Pfarreien mit zwei Filialen. Die Kirchhellener Pfarreien blieben weiterhin bis heute im Dekanat Dorsten. 

Bei der Kommunalreform 1929 kam Osterfeld aus dem Kreis Recklinghausen nach Oberhausen. Um kirchliche Zuständigkeiten mit den kommunalen Grenzen in Übereinstimmung zu bringen, wurden die Osterfelder Pfarreien 1932 aus dem Dekanat Bottrop an das Dekanat Sterkrade überwiesen. Später gab es noch folgende Anpassungen an die Stadtgrenze: In Ebel, erst 1929 von Essen nach Bottrop eingemeindet, gehörte die später entstandene Pfarrei St. Matthias zum Erzbistum Köln und Dekanat Borbeck, bis sie 1958 nach Gründung des Bistums Essen dem Dekanat Bottrop zugeteilt wurde. Die Pfarrei St. Suitbert in Vonderort, seit 1954 von Osterfeld aus entstanden, wurde 1965 in das Dekanat Bottrop überwiesen. 

Die Dechanten im Dekanat Bottrop waren folgende Pfarrer: 

  • Bernhard Strumann (St. Pankratius, Osterfeld) 1916 - 1920 
  • Bernhard Hülshorst (Liebfrauen) 1920 - 1949 
  • Wilhelm Bruns (St. Josef) 1949 - 1961 
  • Ludwig Haversath (St. Peter) 1961 -1966 
  • Heinrich Linkholt (St. Elisabeth) 1966 - 1984 
  • Reinhard Busbach (St. Johannes, Boy) 1984 - 2002 
  • Johannes Knoblauch (St. Elisabeth und Heilig Kreuz) 2002 – 2010 
  • Paul Neumann (St. Cyriakus) seit 2010 

Mit der großen Gemeinde-Strukturreform im Bistum Essen besteht November 2007 das Dekanat Bottrop nicht mehr. Stattdessen sind die beiden Groß-Kirchengemeinden/Pfarreien St. Cyriakus am 4.11.2007 und St. Joseph am 18.11.2007 eingerichtet worden.

 

Zur Pfarrei St. Cyriakus gehören noch die Gemeinden St. Elisabeth / Heilig Kreuz sowie Herz Jesu mit der Filialkirche St. Suitbert und St. Ludgerus mit der Filialkirche St. Bonifatius.
Zur Pfarrei St. Joseph gehören noch die Filialkirchen St. Michael und St. Peter sowie die Gemeinden Liebfrauen mit der Filialkirche St. Pius und St. Johannes Baptist mit den Filialkirchen St. Matthias, St. Antonius und St. Franziskus.

 

 3. Das Stadtdekanat Bottrop (Alt-Bottrop) 

Im Bistum Essen wurden neben den Dekanaten für kirchliche Aktivitäten auf Stadtebene die Stadtdekanate gebildet mit dem Stadtdechanten an der Spitze. In Bottrop gab es nur ein Dekanat, das 1968 zugleich Stadtdekanat wurde. Nach vergeblichem Versuch, schon 1948 einen Gemeindeverband zu bilden, wurde vom Bischof in Essen ein solcher Gemeindeverband mit Wirkung ab 1.1.1968 errichtet, der für alle Gemeinden verbindlich war. Der Gemeindeverband der katholischen Kirchengemeinden in (Alt-)Bottrop wurde Rechtsträger für viele überpfarrlichen Einrichtungen in der Stadt. Beschlussgremien waren der Verbandsausschuss und die Verbandsvertretung unter Vorsitz des Stadtdechanten. Ein Geschäftsführer war für die Verwaltung zuständig. Der Stadtdechant war auch offizieller Repräsentant der Katholischen Kirche der Stadt und der Öffentlichkeit gegenüber. 

Das Katholische Stadthaus am Berliner Platz, das am 2.10.1977 nach mehrjähriger Bauzeit eröffnet werden konnte, nahm nun den Gemeindeverband mit seiner Verwaltung und andere kirchliche Einrichtungen auf Stadtebene auf. Dazu gehörten u.a. das Katholische Jugendbüro, die Familienbildungsstätte, das Bildungswerk, Beratungsstellen sowie der Ortscaritasverband. Das Stadthaus wurde zu einem vielbesuchten Treffpunkt und Veranstaltungsort. Im Laufe der Jahre übernahm der Gemeindeverband mehr und mehr die Rendanturgeschäfte der einzelnen Kirchengemeinden. 

Mit der Auflösung der vielen Pfarreien und des Dekanates und der gleichzeitigen Bildung von zwei (Groß)Pfarreien ist auch der Gemeindeverband hinfällig geworden. Nach den Vorstellungen des Bistums sind inzwischen viele Dienste und Einrichtungen kirchlichen Wirkens auf Stadtebene verlagert und umorganisiert worden. Ob das zum Nutzen oder eher zum Nachteil der Betroffenen und der Menschen am Ort ist, muss sich noch zeigen. Die Zukunft des Stadthauses und seine weitere Nutzung sind offen. 

Der Stadtdechant behält seine Funktion als Repräsentant der Katholischen Kirche in der Stadt.