Ein "Offenes Buch" ist am Katholischen Stadthaus zu sehen

Projekt "Lesewand" nach vielen Vorarbeiten im Kulturhauptstadtjahr 2010 realisiert

Das Projekt "Lesewand" am katholischen Stadthaus ist ein Beitrag der Kirchen zu Ruhr.2010. Auf einer Breite von 14 Metern werden Stadt- und Kirchengeschichte dargestellt. Offiziell eröffnet wurde die Lesewand am Montag, dem 30. August 2011, in Beisein von Oberbürgermeister Bernd Tischler, der ein Grußwort der Stadt überbrachte.

"Ich freue mich ganz besonders über die Lesewand, die eines der aufwändigsten Projekte der Kirchen im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres darstellt.", so Tischler. Die Lesewand befasse sich mit verschiedenen Thematiken rund um die christliche Stadtgeschichte. Tischler betonte den ökumenischen Charakter des Projekts. Ihm seien der Dialog der Kirchen und das Miteinander der Religionen sehr wichtig. "Ich bin stolz darauf, Oberbürgermeister einer Stadt zu sein, deren Bürgerinnen und Bürger als offen und tolerant gelten", sagte Tischler.

Dr. Michael Schlagheck, der Ruhr.2010-Beauftragter des Bistum Essen, sprach sogar von einem Schlüsselprojekt, "das all die Dinge erfüllt, die man sich von einem solchen Projekt wünscht: Nachhaltigkeit, Öffentlichkeit, Ortsbezug sowie die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft."

Rund 120 Gäste waren der Einladung zur Einweihung der Lesewand gefolgt. Besonderer Dank galt den Sponsoren des Projektes der Sparkasse und der Bremer-Stiftung. "Ohne ihre tatkräftige finanzielle Hilfe wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen", so Stadtdechant Johannes Knoblauch. Pfarrer Ulrich Schulte von der Evangelischen Stadtkirche wies unter dem Motto "unsere Zukunft hat Vergangenheit" auf den dynamischen Wandel der Stadt und der Kirchen Bottrops hin.

 

Der ehemalige Stadtdechant Johannes Knoblauch, Gerhard Reinhold (damaliger Referent der Stadtkirche) und Rita Brauckmann (Vorsitzende des Katholikenrates) bei der Einweihung. (Fotos: Andreas Pläsken)


Auf elf großen Glastafeln mit insgesamt 85 Themenplatten kann man jetzt am Stadthaus am Berliner Platz Bottroper Geschichte erfahren und nachlesen. Die Tafeln sind chronologisch angeordnet. Sie behandeln in ihren Texten und Grafiken die Entwicklung des christlichen Glaubens und Lebens in Bottrop und Kirchhellen. Daneben geht es auch um zentrale Aussagen des christlichen Glaubens aus dem Alten und Neuen Testament, die teilweise neben ihren Übersetzungen auch auf Hebräisch, Latein und Altgriechisch zu lesen sind.
Die Lesewand enthält viele Fotos und Zeichnungen auch aus früheren Zeiten. 

So beschreibt sie zum Beispiel den baulichen Werdegang der Cyriakus-Kirche von einer kleinen Kapelle zur dreischiffigen Hallenkirche und erzählt die Geschichten der ältesten Kirchengebäude Bottrops und ihrer Gründerväter.

Einige Punkte der Wandinstallation stellen außerdem Bezüge zu den großen Themen der abendländischen Geschichte her. Darunter finden sich Punkte zu den Kreuzzügen, zur Missionierung und Kultivierung unserer Region, zur Reformation, zur Industrialisierung und der daraus resultierenden sozialen Frage. Weitere Themen sind die Zeit des Nationalsozialismus, die Nachkriegszeit und das Leben in der modernen Welt.

So zieren nicht nur Zitate aus der Bibel die Lesewand, sondern auch Schriftsteller und Dichter kommen zu Wort. Enthalten sind beispielsweise Worte des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry ("Der kleine Prinz") oder ein Gedicht der oft in Bottrop gewesenen Dichterin Luise Hensel (1798 - 1876). Dabei ist der Bezug zum christlichen Glauben immer enthalten.

 

Die "Lesewand" am Katholischen Stadthaus.


Bereits 2002 sollte das Projekt im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Katholischen Stadthauses Bottrop umgesetzt werden konnte zu dieser jedoch noch nicht realisiert werden. Nach der entsprechenden Idee des Katholikenrates vor zwei Jahren, wurde das Projekt jetzt im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 in Angriff genommen. Außerdem haben sich viele Bottroper Bürger für die Aufstellung der Lesewand eingesetzt. Finanziert wird das Vorhaben durch die Bremer-Stiftung, das Förderwerk Bottroper Christen e.V. und die Sparkasse.

Gestaltet wurde die Wand von Westerdick Grafik und Design aus Mühlheim an der Ruhr und produziert von der Firma Glas und Räume, Paderborn. Die Inspiration für die Lesewand holte sich der Stadtkatholikenrat von dem Lesepavillon der Künstlergruppe "Haus Rucker" vor der Stadtbibliothek in Neuss. Hier wurden Zinkplatten, deren Vorder-/Rückseiten beschriftet sind, zu einer Skulptur aufgestellt.

Zum Projekt gibt es eine Begleitbroschüre. Sie enthält alle Bilder und Texte der Lesewand. Die Broschüre ist gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro erhältlich im Katholischen Stadthaus und im Evangelischen Gemeindehaus.

 

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